Abend, Natur, Gebet
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Abend, Natur, Gebet
Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar. Der Wald steht schwarz und schweiget und aus den Wiesen steiget der weisse Nebel wunderbar. Wie ist die Welt so stille, und in der Dämmrung Hülle, so traulich und so hold als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen weil uns're Augen sie nicht seh'n. Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel. Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel. So legt euch denn, ihr Brüder, in Gottes Namen nieder, kalt weht der Abendhauch. Verschon uns Gott mit Strafen und lass uns ruhig schlafen, und unsern kranken Nachbar auch.
Gemeinfreier Text. Strophen gekürzt dargestellt.